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Das Hessenderby

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Derby

Frankfurt gegen Kassel, Nord- gegen Südhessen. Seit Jahrzehnten geht es hoch her, wenn die beiden Rivalen aufeinandertreffen. Die Hessenderbys sind jeher das Salz in der Suppe einer jeden Eishockey-Saison. Löwen gegen Huskies, das elektrisiert auch die Massen: Wenn Frankfurt auf Kassel trifft, sind die Arenen stets bestens gefüllt, denn schließlich geht es zumeist hoch her auf dem Eis. Tore, Fight und Emotionen sind garantiert. Wir stellen Euch die Geschichte des Hessenderbys vor.

Längste Serie der DEL-Geschichte

In der DEL, in der sich beide Teams zwischen 1994 und 2010 duellierten, gab es eine eiserne Regel: Die Kassel Huskies können sich die Reise nach Frankfurt sparen. Es wäre für sie billiger, die Punkte per Post nach Frankfurt zu schicken. Es ist die längste Serie im deutschen Eishockey. 1994 bis 2010, also ganze 16 Jahre, konnte Kassel kein einziges Hauptrunden-Match am Ratsweg für sich entschieden. Oft durften die Nordhessen lange Zeit hoffen. Doch am Ende blieb es beim umgewandelten Satz des Fußball-Stars Garry Lineker. Was er über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sagte, galt für das Eishockey-Derby am Ratsweg. „Eishockey ist, wenn die  Mannschaften aus Frankfurt und Kassel dem Puck hinterher jagen. Und am Ende jubeln die Löwen.“

In den Playoffs liegen die Huskies vorne

In den Playoffs sah das übrigens ganz anders aus: 1995 standen sich beide Teams im Achtelfinale gegenüber, die Nordhessen sorgten für ein frühes Ausscheiden der südhessischen Konkurrenz. Auch 1996 ließen die Schlittenhunde den Löwen keine Chance in der Runde der letzten 16 Teams. Das bislang letzte Playoff-Duell fand in den Aufstiegs-Playoffs der zweiten Bundesliga in der Saison 2012/13 statt – ein unvergessliches Drama auf beiden Seiten. Die Serie ging über die volle Distanz von fünf Spielen, wobei jeweils die Heim-Mannschaft mit einem Tor Unterschied gewinnen konnte. Heimrecht hatte Kassel – das fünfte und entscheidende Spiel der spannenden Serie ging demzufolge an die Nordhessen.

Schon zu Eintracht-Zeiten duelliert

Wobei der erste Nervenkitzel mit glücklichem Ausgang für die Frankfurter bis in die Eintracht-Zeit heranreicht. Es war das legendärste Spiel in Frankfurt. Man schrieb den 28. Februar 1986. Die ESG Kassel führte bei der in der Bundesliga-Aufstiegsrunde ungeschlagen führenden Eintracht Frankfurt bis zur 57. Minute 3:0. Und dann glich die Eissporthalle einem Tollhaus. Elias Vorlicek, zweimal Toni Forster sowie Klaus Guggemoos machten aus einem 0:3 noch einen 4:3-Sieg.

Krimis auch in der DEL

Ein fast ebenso großer Krimi war auch der erste Vergleich in der DEL. Am 18. November 1994 führten die Schlittenhunde bis zur 30. Minute 3:0. Dan sorgten dreimal Robert Reichel sowie zweimal Thomas Mühlbauer für einen 5:3-Triumph. Ähnliche Nervenkitzel erlebte die fast immer bei diesem Derby ausverkaufte Eissporthalle noch einige. Am 24. Oktober 1998 stand es nach nur acht Minuten 0:2. Chris Snell, Toni Porkka und Ralf Hantschke drehten den Spieß um. Das zweite Gastspiel der Nordhessen in dieser Saison war eine Kopie des ersten. Nach elf Minuten führte Kassel 2:0. Diesmal besorgten den 3:2-Erfolg Ken Quinney, Bob Sweeney und Steve Palmer. Noch spannender war der erste Kasseler Besuch beim Deutschen Meister Frankfurt Lions. Nach 34 Minuten stand es am 17. Oktober 2004 0:3. Kassel führte noch 4:2. Am Ende reichten die Treffer von Marc Beaucage, Dwayne Norris, Christian Kohmann, Andrej Strakhov und im Penaltyschießen Pat Lebeau zu einem 5:4-Sieg. Nachdem Kassel aus finanziellen Gründen die DEL für zwei Jahre verlassen musste, erlebten knapp 7000 Zuschauer einen Tag vorm Silvester 2008 den nächsten Krimi. Bis zur 42. Minute lagen die Huskies mit 2:0 vorne. Dann schlugen Daniel Kunce, Josh Langfeld und in der Overtime Jeff Heerema zu und sorgten dafür, dass die Heimreise nach Nordhessen wieder mit Selters statt Sekt stattfand. Am 27. November 2009 folgte das torreichste DEL-Derby am Ratsweg (7:5), im März derselben Saison der höchste Frankfurter Sieg (8:1).

Wiedersehen in der Oberliga

Die Serie von 25 Punktsiegen in Folge riss erst in der Oberliga West. Der 30. September 2011 hätte ein historischer Tag werden können. Die wesentlich erfahreneren  Huskies gewannen dank Treffer von Sven Valenti, Manuel Klinge und Michael Christ – für Frankfurt traf zweimal Thomas Schenkel – das erste Mal am Ratsweg. Pustekuchen: Am grünen Tisch wurde das Spiel 5:0 für Frankfurt gewertet. Und so war der erste tatsächliche Sieg das 6:4 am 29. Januar 2012. Es sollte der einzige Erfolgsmoment bleiben. 9:1-Siege für Frankfurt lautete die Oberliga-Bilanz gegen Kassel am Ratsweg.

Sieglose Zeit endet in der DEL2

Nur in der DEL2 hat sich für die Huskies-Anhänger die Reise nach Frankfurt endlich gelohnt. Am 5. Dezember 2014 siegte Kassel 4:1, am 25. Januar 2015 1:0. Beide Derbys in Kassel gingen hingegen an Frankfurt (1:2 n.V., 2:5) – verkehrte Welt also! Ein echter Derby-Wahnsinn war der bislang letzte Vergleich am 17. Januar 2016. Die Zuschauer erlebten Spannung pur, einen Tor-Rekord und – wie es sich gehört – einen Löwensieg.  6:2 führten die Gastgeber in der 44. Minute. 6:6 hieß es, als die Schluss-Sirene erklang. Bei 4-gegen-3-Überzahl hämmerte Richie Mueller einen Querpass von Matt Tomassoni mit aller Gewalt in die Maschen, und sorgte so in der Verlängerung doch noch für den Frankfurter 7:6-Sieg (61.). Es war der 35 Frankfurter Triumph in 38 Vergleichen mit den Huskies in Frankfurt

Author: Michael Löffler